Zusammenfassender Rückblick auf die Veranstaltung

 

„Echt(e) Fehlerkultur!?“ lautete der Titel der Open Space Veranstaltung vom 17.01.2019. Die Veranstaltung bot Raum und eine Plattform, auf der sich verschiedene Akteur*innen der Kinder- und Jugendhilfe zum Thema Fehlerkultur in Bezug auf grenzproblematische/grenzüberschreitende Situationen austauschen konnten.

Die Bedeutung einer offenen und verantwortungsvollen Fehlerkultur wird immer wieder in Literatur und Praxis betont, denn nur so kann das Wohl der betreuten Kinder und Jugendlichen langfristig gesichert werden. Und auch die Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe können nur durch eine solche offene und verantwortungsvolle Fehlerkultur geschützt werden. Eine solche Fehlerkultur bietet Raum, um aus Fehlern lernen zu können und Sicherheit zu erfahren, um sich herausfordernden Situationen im pädagogischen Alltag stellen zu können.

Wie eine offene und verantwortungsvolle Fehlerkultur aussieht und wie diese in der Praxis gelebt werden kann, ist ein wenig diskutiertes Thema in der Sozialen Arbeit. Das wurde auch auf der Veranstaltung deutlich. Zwar hatten sich ein Großteil der Fachkräfte schon mit dem Thema beschäftigt, eine Auseinandersetzung en détail und eine Implementierung in die Organisationskultur) fand jedoch weit weniger häufig statt.

Während der Veranstaltung wurden folgende Themen gefunden und bearbeitet:

  • Öffentliche Meinung/Pädagogische Arbeitsziele
  • Fehler sind menschlich und auch eine Chance! „Fehler sind Freunde“
  • Grenzüberschreitungen als Gefahr für Einrichtungen/Träger und Mitarbeiter
  • Woran merke ich, dass meine Einrichtung eine gelingende Fehlerkultur hat?
  • Grenzüberschreitungen zugeben können und wenn nicht, was brauche ich dafür?
  • Grenzüberschreitungen im historischen Kontext
  • Was sind Grenzüberschreitungen?
  • „Körperliche Begrenzung“
  • Nähe und Distanz
  • Rechtssicherheit „körperliche Grenzsetzung“
  • Die zwei Seiten einer Medaille – einseitige Wahrheiten als Problem
  • Umgang mit Fehlern zwischen verschiedenen Institutionen (Kliniken, Jugendamt etc.)
  • Was ist die Fehlerkultur, die wir den Kindern vermitteln möchten?
  • Was kann man intern lösen? Wann wird externe Hilfe eingeschaltet?
  • Wie entstehen Fehler? Was sind Fehler?
  • Wie können Grenzüberschreitungen von Adressat*innen thematisiert werden?
  • Wie muss eine Atmosphäre aussehen für eine offene und verantwortungsvolle Fehlerkultur? Wie kann das erreicht werden?

Mehrere Gruppen stellten heraus, dass die Rahmenbedingungen, die der Träger/die Einrichtung schafft entscheidend für eine gelingende Fehlerkultur sind, beispielsweise ob Supervisionen angeboten werden, ob ein Konzept für Kriseninterventionen besteht oder ob alle Beteiligten nach einer eskalierten Situation gleichberechtigt gehört werden. Die Offenlegung und Transparenz mit Fehlern und im Umgang mit diesen wird ebenso als entscheidend erachtet wie eine ausführliche Dokumentation des Ereignisses. Wiederholt wurde herausgearbeitet, dass Kinder, Jugendliche und Eltern ebenso in eine offene und verantwortungsvolle Fehlerkultur einbezogen werden müssen, wie Fachkräfte.

Insgesamt zeigte sich an diesem Tag, dass es einen hohen Bedarf an Austausch zum Thema Fehlerkultur in Bezug auf grenzproblematische Situationen besteht. Dies musste auch nach der Veranstaltung so bleiben, da sie nur ein erster Aufschlag sein konnte und der Prozess nun verstetigt werden muss. Unter anderem auch durch die Vernetzung in andere Diskussions- und Arbeitsprozesse im Feld der Hilfen zur Erziehung.

Heruntergebrochen auf die Ebene der Leistungserbringer bedeutet das letztlich, dass jede Organisation ihre eigene offene und verantwortungsvolle Kultur im Umgang mit Fehlern entwickeln muss. Auf der Open Space Veranstaltung „Echt(e) Fehlerkultur!?“ fand ein wichtiger und angeregter Austausch darüber statt.


Robert Kühr

Robert Kühr

Robert Kühr hat Sozialwissenschaften an der Humboldt Universität zu Berlin studiert und ist Referent des VPK Brandenburg. Er berät und unterstützt private Träger der Kinder- und Jugendhilfe und organisiert deren persönlichen und fachlichen Austausch im Netzwerk des VPK in Brandenburg.