Stand: 23.3.2020

Informationen zum Umgang mit dem Corona-Virus für Träger von Einrichtungen der Hilfen zur Erziehung

Auch wenn vieles schon bekannt ist, halten wir es für unsere Pflicht, die folgenden Informationen zur Verfügung zu stellen und die Träger der Kinder und Jugendhilfe zu informieren.

Die Ausbreitung des Corona-Virus scheint eine tägliche Neueinschätzung der Lage notwendig zu machen, weshalb die Informationen auf dieser Seite regelmäßig aktualisiert werden und schnell veraltet sein können. Den aktuellen Stand zu den staatlichen Maßnahmen und Empfehlungen zum Umgang mit dem Virus, erfahren Sie auf den folgenden Seiten

Robert Koch Institut

https://www.rki.de

Bundesministerium für Gesundheit

https://www.bundesgesundheitsministerium.de

Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

https://www.bzga.de

Gesundheitsministerium Brandenburg

https://msgiv.brandenburg.de/msgiv/de/start/themen/gesundheit/oeffentlicher-gesundheitsdienst/informationen-zum-neuartigen-coronavirus/

Ministerium für Bildung, Jugend und Sport Brandenburg

https://mbjs.brandenburg.de/kinder-und-jugend/weitere-themen/corona-aktuell.html

Weiträumig informieren und vor Ort handeln

Bitte achten Sie ebenfalls auf die amtlichen Informationen vor Ort. Auch wenn teilweise bundeseinheitliche Empfehlungen ausgesprochen werden oder landesweit einheitliche Maßgaben getroffen werden, ist der Umgang mit dem Corona-Virus in der jeweiligen Einrichtung eine individuelle Entscheidung vor Ort. Wir empfehlen betriebsinterne und betriebsübergreifende Maßnahmen regional und vor Ort zu koordinieren und zu entscheiden.  Wir empfehlen außerdem die Vernetzung trägerübergreifend vor Ort, z.B. über den Verteiler der AG 78 um sich im Notfall gegenseitig unterstützen zu können.

 

Ansprechpartner Gesundheitsamt

Die Steuerung des Verfahrens zur Unterbrechung von Infektionsketten liegt beim örtlichen Gesundheitsamt. Das örtliche Gesundheitsamt hat die Aufgabe, die Situation vor Ort zu beurteilen und zu entscheiden, wie mit der Situation umzugehen ist. Das Gesundheitsamt trifft die weiteren erforderlichen Maßnahmen. Das Gesundheitsamt hat insbesondere auch die Maßnahmen zum Schutz des Personals zu treffen, wenn sich in der Einrichtung Kinder/Jugendliche in Quarantäne befinden.

 

PLZ-Tool des Robert-Koch-Instituts

Postleitzahl eingeben und zuständiges Gesundheitsamt mit Kontaktdaten finden https://tools.rki.de/plztool/

 

Infektionsschutz gewährleisten

 Die Geschäftsführungen der Träger von Einrichtungen nach § 45 Abs. 1 SGB VIII haben die Gesamtverantwortung für die Einhaltung des Infektionsschutzes. Sie müssen die entsprechenden Hygienepläne erstellen und für die Umsetzung des präventiven Gesundheitsschutzes sorgen.

 

Pandemieplan erstellen

Wir empfehlen betriebseigene Pandemie-Pläne zu erstellen, in denen verschiedene Szenarien (z.B. Quarantäne von Wohngruppen, Ausfall des pädagogischen Personals) vorbereitet werden.

Wir empfehlen einrichtungsübergreifende Pläne zu erstellen zur gegenseitigen Unterstützung, z.B. bei Versorgung mit Nahrungsmitteln, Vertretungsregelungen etc. (gegebenenfalls auch trägerübergreifend).

 

Für eine allgemeine betriebliche Pandemieplanung gibt es eine Handreichung mit 10 Tipps der Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV)

https://vdsi.de/media/dguv_pandemieplanung.pdf

Checkliste zur Erstellung eines betrieblichen Pandemieplans im Nationalen Pandemieplan, Kapitel 8 ab Seite 67 ff

https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/187/28Zz7BQWW2582iZMQ.pdf?sequence=1&isAllowed=y 

Checkliste zur betrieblichen Pandemieplanung von Haufe

https://www.haufe.de/arbeitsschutz/gesundheit-umwelt/coronavirus-pandemieplanung-im-unternehmen/checkliste-betriebliche-pandemieplanung_94_510404.html

Pandemieplan vom Land Brandenburg

https://msgiv.brandenburg.de/sixcms/media.php/9/MSGIV_COVID_19_Pandemieplan_Brandenburg_Stand_2020_03_06.pdf

SARS-CoV-2-Eindämmungsverordnung umsetzen

Für Brandenburg ist am 22.3.2020 eine neue „Verordnung über Maßnahmen zur Eindämmung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 und COVID-19“ in Kraft getreten.

Für Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und Eingliederungshilfe ist folgendes geregelt:

1. Erlaubnispflichtige stationäre Einrichtungen setzen ihren Betrieb fort.

2. Personalengpässe oder Versorgungsprobleme sind dem örtlichen Jugendamt sowie der Einrichtungsaufsicht im Ministerium für Bildung, Jugend und Sport unverzüglich anzuzeigen. Das Jugendamt stimmt mit den freien Trägern der Jugendhilfe und der Einrichtungsaufsicht im Ministerium für Bildung, Jugend und Sport ab, wie die Personalengpässe und Versorgungsprobleme zu beheben sind.

3. Die Elternarbeit in den stationären Einrichtungen wird ausgesetzt.

4. Besuche von Erziehungsberechtigten und anderen Personen in den stationären Einrichtungen, die nicht für den Betrieb erforderlich sind, sind untersagt.

5. Heimfahrten der untergebrachten Kinder und Jugendlichen sind ausgesetzt.

6. Neuaufnahmen sind nur aus Brandenburg und mit Zustimmung des Landkreises oder der kreisfreien Stadt zulässig, in dem sich die Einrichtung befindet.

7. Alle weiteren erlaubnispflichtigen und erlaubnisfreien Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, insbesondere teilstationäre Einrichtungen, sind zu schließen, es sei denn, das zuständige Jugendamt gestattet ihre Fortführung.

In der neuen Fassung wird das Betreten öffentlicher Orte bis zum 5. April 2020 (24.00 Uhr) untersagt. Ausnahmen gibt es u.a. zur Wahrnehmung beruflicher Tätigkeiten. Wir empfehlen den Trägern, allen Mitarbeitenden entsprechende Arbeitgeberbescheinigungen auszustellen. 

Die Verordnung mit allen Regelungen und im Wortlaut gibt es hier: https://www.brandenburg.de/cms/detail.php?gsid=bb1.c.662099.de

Welche Meldepflichten bestehen?

  • Verdachtsfälle sind dem Gesundheitsamt zu melden (§ 34 IfSG analog) und alle weiteren Maßnahmen abzusprechen.
  • Ärztlich eingestufte Verdachtsfälle und nachweislich Erkrankte sowie etwaige Maßnahmen des Gesundheitsamtes sind als „besonderes Vorkommnis“ nach § 47 Nr. 2 und 3 SGB VIII der Einrichtungsaufsicht zu melden.

 

Was gibt es zu bedenken? Hilfreiche Fragen zu organisatorischen Maßnahmen

 

  • Ist der Versicherungsschutz des Betriebes gewährleistet?
  • Ist die Liquidität des Betriebs gesichert, wenn Personalausfall im Betrieb oder in den Behörden zu Zahlungsverzögerungen führt?
  • Sind die innerbetrieblichen Verfahrensweisen zum präventiven Gesundheitsschutz festgelegt und aktuell?
  • Sind Hygienepläne erstellt und aktuell?
  • Ist das Personal belehrt und sind alle betreuten Kinder und Jugendlichen altersentsprechend informiert/belehrt?
  • Sind alle Kontaktdaten des Trägers aktuell und der Einrichtungsaufsicht gemeldet?
  • Sind alle wesentlichen Angaben (Namen, Adressen, Kontaktdaten) aller Kinder / Jugendlichen sowie der Beschäftigten auf dem aktuellen Stand?
  • Ist die Informationsweitergabe bis zur Leitung der Einrichtung sowie den Trägerverantwortlichen verbindlich geregelt und sichergestellt?
  • Müssen Krisenpläne, Vertretungsregelungen überarbeitet oder angepasst werden, um bei Personalausfällen die Betreuung der Kinder sicherzustellen?
  • Können Einrichtungen gegebenenfalls zusammengelegt werden, wenn die Betreuung anders nicht mehr sichergestellt werden kann?
  • Ist die Anwesenheit von Mitarbeiterinnen, Mitarbeitern und Kindern und Jugendlichen in den jeweiligen Gruppen aktuell gut dokumentiert, sodass bei Verdachtsfällen schnell und verlässlich die Kontaktpersonen identifiziert werden können?
  • Kann der Dienstplan so gestaltet werden, dass es feste Teams gibt, die sich bei de rBetreuung abwechseln?
  • Gibt es Personen im Team, die sich bereit erklären, im Fall einer Quarantäne der Einrichtung, die Betreuung freiwillig abzusichern?
  • Können zusätzliche Einzelzimmer geschaffen werden, im Fall einer Infektion oder Quarantäne, um die Ansteckungsgefahr zu vermindern?
  • Kann Erkrankten im Notfall ein eigener Sanitärbereich in der Einrichtung bereit gestellt werden?
  • Besteht in Einzelfällen die Möglichkeit, Kinder und Jugendliche in Absprache mit dem fallzuständigen Jugendamt und den Personensorgeberechtigten anderweitig unterzubringen?

Hygienemaßnahmen

Hygienetipps: https://www.infektionsschutz.de/hygienetipps.html

  • Nach Möglichkeit zusätzliche Händedesinfektionsmöglichkeiten in den Einrichtungen schaffen
  • Regelmäßiges und häufiges (anlassbezogenes) Händewaschen mit Wasser und Seife für20 Sekunden.
  • Sich nicht ins Gesicht fassen
  • Nach dem Schnäuzen der Nase die Hände waschen.
  • Konsequente Husten- und Niesetikette pflegen: in ein Papiertaschentuch oder zumindest in Ärmel / Ellenbeuge husten oder niesen, nicht aber in die Hand und auch nicht in den Raum.
  • Benutzte Papiertaschentücher entsorgen, am besten in einen Mülleimer mit Deckel.
  • Stofftaschentücher sind ungeeignet.
  • Auf Händeschütteln verzichten.
  • Regelmäßiges Lüften der Räume (auch zur Senkung der Viruslast anderer Erreger).
  • Abstand halten zu Erkrankten (2 Meter).
  • Bei Erkältungssymptomen (auch Halskratzen / Halsschmerzen) zuhause bleiben, nicht zur Arbeit erscheinen, sondern stattdessen telefonisch Hausarzt kontaktieren.
  • Füralle Personen über 60 Jahre und fürchronisch Kranke wird gemäßden Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut eine Impfung gegen Pneumokokken-Infektionen und gegen Keuchhusten empfohlen. Diese sollten spätestens jetzt verabreicht werden.

 

Kontaktreduzierung hilft Infektionsketten zu unterbrechen

COVID-19: Optionen für Maßnahmen zur Kontaktreduzierung in Gebieten, in denen vermehrt Fälle bekannt wurden: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Kontaktreduzierung.html

 

Symptome, Erkrankung, Quarantäne

 

Umgang mit Symptomen

Wenn unspezifische Allgemeinsymptome oder Atemwegsprobleme jeglicher Schwere auftreten und in den letzten vierzehn Tage vor Erkrankungsbeginn Kontakt zu einem bestätigten an COVID-19 Erkrankten bestand oder man sich bei genannten Symptomen in den letzten 14 Tagen in einem Risikogebiet aufgehalten hat, sollte telefonisch Kontakt mit dem Hausarzt oder dem kassenärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 aufgenommen werden.

Symptome-Corona-Erkaeltung-Grippe

Symptome: Unterschiede Corona, Erkältung, Grippe

 

Was tun im Fall einer (mutmaßlichen) Erkrankung eines Betreuten oder Mitarbeiter/in?

  • Person isolieren (separater Raum, Körperkontakt vermeiden, Abstand halten)
  • Gesundheitsamt informieren. Das Gesundheitsamt übernimmt das Fallmanagement
  • Personensorgeberechtigte informieren
  • Landesjugendamt informieren (Meldepflichten beachten)
  • belegende Jugendämter und örtlich zuständigen Träger informieren

Bei Quarantäne der Einrichtung

  • Lagerkoller vermeiden, indem Bewegungsräume und -zeiten mit dem Gesundheitsamt vereinbart werden
  • Aktuell müssen wir davon ausgehen, dass die zum Zeitpunkt im Dienst befindliche Fachkraft (und auch alles sonstige Personal in der WG) mit in Quarantäne genommen wird und bis zu 14 Tage dort verbleiben soll. Zur Entlastung ist es trägerseitig sinnvoll zu prüfen, ob noch eine weitere pädagogische Fachkraft mit einzieht, um Entlastung zu bieten.
  • Teilweise gibt es Modelle, in denen sich Fachkräfte wochenweise abwechseln und zwischen häuslicher Quarantäne und Einrichtungsquarantäne auf direktem Weg und ohne weiteren Kontakt mit dem eigenen Fahrzeug pendeln
  • Konkrete Maßnahmen werden durch das Gesundheitsamt festgelegt.

 

Weitere Links und Informationen zum Corona-Virus


Allgemeine Infos zum Corona-Virus

SARS-CoV-2 Steckbrief zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19): https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Steckbrief.html

Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus SARS-CoV-2: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/NCOV2019/FAQ_Liste.html


Informationen der Landesjugendämter

Schreiben der Einrichtungsaufsicht Brandenburg vom 28.2.2020

https://mbjs.brandenburg.de/media_fast/6288/27-20_anlage_corona_schreiben_an_gemeinschaftseinrichtungen.pdf

Schreiben Landesjugendamt Schleswig-Holstein vom 3.3.2020

https://www.schleswig-holstein.de/DE/Landesregierung/VIII/_startseite/Artikel_2020/I/200129_Grippe_Coronavirus_material/Dokumente/informationen_traeger_einrichtungen_kinder_jugend.pdf;jsessionid=390A5CE2A0AC04CC489F2C013832646E.delivery1-master?__blob=publicationFile&v=1

Schreiben Landesjugendamt Niedersachsen vom 6.3.2020

https://soziales.niedersachsen.de/download/152736

Schreiben Bayrisches Staatsministerium vom 9.3.2020

200309_Handlungsempfehlung Corona_Bayrisches_Staatsministerium


Infos zum Arbeitsschutz

Informationen der Unfallversicherung: https://www.dguv.de/de/praevention/themen-a-z/biologisch/neuartiges-coronavirus-2019-ncov/index.jsp


Infos zum Arbeitsrecht

Arbeitsrechtliche Folgen einer Pandemie: Hinweise für die Praxis des BDA:

https://www.arbeitgeber.de/www/arbeitgeber.nsf/res/Arbeitsrechtliche-Folgen-einer-Pandemie.pdf/$file/Arbeitsrechtliche-Folgen-einer-Pandemie.pdf

Coronavirus: Arbeitsrechtliche Auswirkungen: https://www.bmas.de/DE/Presse/Meldungen/2020/corona-virus-arbeitsrechtliche-auswirkungen.html


Infos von Fachverbänden und sonstigen Institutionen

https://www.jugendhilfeportal.de/fokus/coronavirus/

https://afet-ev.de/aktuell/2020-Corona/2020-Corona.php

https://www.dijuf.de/Coronavirus-FAQ.html


Vielen Dank an die Kolleginnen und Kollegen, die uns Informationen zur Verfügung gestellt haben.

Bilder: https://unsplash.com/@fusion_medical_animation, https://unsplash.com/@cdc


Robert Kühr

Robert Kühr

Robert Kühr ist Referent des VPK Landesverband Brandenburg. Er berät und unterstützt private Träger der freien Kinder- und Jugendhilfe und organisiert deren persönlichen und fachlichen Austausch im Netzwerk des VPK.